Mobile Shopping App mit Shopgate - sinnvoll oder überflüssig?

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Shopping App

Der Anbieter Shopgate verspricht, eine eigene Shopping App mit geringem Aufwand erstellen zu können und dadurch die Kundenbindung und Umsätze im Online Shop zu steigern.

Da wir in der Praxis immer wieder darauf stossen, haben wir uns das System einmal ausführlicher angeschaut. Wir betrachten Shopgate dabei sowohl unter technischen Aspekten als auch hinsichtlich der Marketing-Aussagen. Da wir auf das eCommerce-System Shopware spezialisiert sind und die Möglichkeiten dieses Shopsystems besonders gut kennen, konzentrieren wir uns ausschließlich auf diese Software.

Funktionsweise von Shopgate

Eigentlich ist Shopgate ein eigenes, mobilfähiges Shopsystem. Hier werden Produkte in Kategorien dargestellt, können in einen Warenkorb gelegt und gekauft werden.
Anbindungen sind vorhanden für alle wichtigen eCommerce-Systeme wie Shopware, Magento, Gambio, oxid, xt:Commerce etc.). Diese Integration erfolgt dann über ein spezifisches Plugin, dass im Fall von Shopware über den Community Store kostenfrei bezogen werden kann. Hierüber erhält Shopgate alle Informationen aus dem Shop: Kategorien, Artikel, Gutscheine usw. Bestellt nun ein Kunde über die Shopgate App, wird dieser Ordersatz ebenfalls über das Plugin nach Shopware zurückgespielt. 

Neben der nativen App, die über die App Stores von Apple und Google kostenfrei erhältlich ist, erzeugt Shopgate auch eine mobile Shop-Webseite (dies ist wohl optional konfigurierbar). Typischerweise ist dieser Web-Mobilshop unter der Domain m.IhrShop.de erreichbar.

Verkaufs-Argumentation 

In der Argumentationskette sind uns einige Aussagen besonders aufgefallen, die wir gerne kommentieren möchten.  

  • „Bestandskunden sind viel wertvoller als Neukunden“:
    Natürlich, das ist ein Allgemeinplatz und nicht diskussionswürdig. Kümmert euch um eure Bestandskunden!

  • „Der Großteil (87%) der Konsumenten bevorzugen mobil die Nutzung einer App gegenüber der Nutzung einer mobilen Website.“  (Quelle: comScore Media Metrix Multi-Platform & Mobile Metrix) sowie 
    „App-User kehren im Vergleich zu Web- Besuchern innerhalb von 30 Tagen doppelt so häufig in den Shop zurück.“ (Quelle: Criteo, Mobile Commerce Report H1 2016)

    Hier wird bereits "schweres Geschütz" aufgefahren. Leider wird die Methodik der Studien nicht angegeben, und diese sind auch nicht ohne weiteres abrufbar. Wir fragen uns daher, welche mobilen Shopseiten wurden mit welcher App verglichen? Es ist klar, dass eine nicht besonders gut optimierte mobile Webseite hier schlechter abschneidet. Aber: Shopware ist bereits von Haus aus sehr gut mobilfähig.

  • „Push-Nachrichten sind im Vergleich zur E-Mail viel persönlicher“
    Ja, da ist was dran. Man kann allerdings über Push-Mitteilungen generell diskutieren, aber es scheint wirksam zu sein, wenn man es nicht übertreibt. Das funktioniert aber auch prima im Web ohne eine App.

  • Es wird auf (kostenpflichtige) Zusatzmodule wie Live-Shopping und einen Filial-Finder hingewiesen. Diese gibt es natürlich für die gängigen Shopsysteme auch, und vermutlich zu geringeren Kosten.

Insgesamt produziert Shopgate eine Menge Inhalte in Blogs und Präsentationen, die die Vorteile von nativen Shopping Apps gegenüber einer mobilen Shopwebseite hervorheben sollen. Bitte hinterfragen Sie derartige Marketing-Aussagen kritisch. 

Vor- und Nachteile 

Neben einigen tatsächlichen vorhandenen Vorteilen sehen wir jedoch deutlich mehr Nachteile:

Pro

  • Die Einrichtung und Anbindung an Shopware scheint einfach und schnell zu sein
  • Insgesamt kommt man so schnell recht mühelos zur nativen mobilen App für iPhone und Android
  • Mittels Push-Mitteilungen besteht ein zusätzlicher Kommunikationskanal.
  • Über ein Scan-Modul können Print-Kataloge erkannt und so direkt der passende Artikel in der App präsentiert werden.

Contra

  • Shopware bietet bereits ein sehr gut optimiertes mobiles Shop-Template - dieses ist umfangreicher und besser, als es Shopgate (schon rein technisch bedingt) vermutlich je sein wird.
  • Es fallen zusätzliche laufende monatliche Kosten an (diese sind niedriger bei Umsatzbeteiligung, umsatzunabhängig aber schnell im vierstelligen Bereich) 
  • Die Bindung an Shopgate ist immens: ist die App einmal draussen, lässt sich diese nur betreiben, solange gezahlt wird.
  • Technisch bedingt werden Artikel, Kategorien, Bewertungen und Gutscheine aus dem Shop in die Shopgate App übernommen. Einkaufswelten bleiben ebenso aussen vor wie Individualanpassungen an Templates und durch Plugins. Viele Shopware-Shops sind aber besonders in diesen Bereichen hochgradig optimiert, und schliesslich sind das auch die Alleinstellungsmerkmale von Shopware.
    Sicherlich kann Shopgate individuelle Module (kostenpflichtig) anpassen, aber das muss dann bei jeder Neuerung im Shop wiederholt werden.
  • Es wird eine zusätzliche mobile Ansicht unter einer eigenen Domain generiert und somit die Shopware-Mobilseite „verdrängt“. Auch hier werden dementsprechend die Möglichkeiten wie Einkaufswelten etc. nicht genutzt.
  • Ob die Bestellübermittlung aus der App zurück in den Shopware-Shop mit eventuell vorhandenen Anbindungen (Warenwirtschaft, Payment-Anbieter etc.) zusammenarbeitet, muss im Einzelfall geprüft werden.
Shopgate - unser Fazit
  • Eine zusätzliche mobile Web-Ansicht ist für Shopware schlichtweg überflüssig.
  • Apps müssen insgesamt - und das ist wahrlich keine neue Erkenntnis! - einen wirklichen und echten Mehrwert bieten, sonst werden sie einfach nicht genutzt. Auch die Anzahl der Apps, die nur einmal geladen und dann nie wieder geöffnet werden, ist sehr hoch. Stellt die Shopgate-App hier eine Ausnahme dar?
  • Natürlich: Die Apps von Amazon, eBay und Co. funktionieren. Also die ganz, ganz großen. Aber wollen Nutzer wirklich für jeden kleinen und mittleren Shop eine eigene App installieren?
  • Shopgate wirbt sehr offensiv mit erheblichen Steigerungen der Verweildauer und Umsatzzahlen. Wir bezweifeln, dass diese in der Praxis erreichbar sind.
  • Die so besonders hervorgehobene Kundenbindung erschöpft sich unserer Meinung nach in Push-Mitteilungen. Diese Möglichkeit gibt es im Web mittlerweile ebenso und rechtfertigt noch keine native App.
  • Der Anbieter ist ein durch Wagniskapital finanziertes Startup und scheint sehr aggressiv am Markt aufzutreten. Es gibt etliche Berichte von deutlich übermotivierten Vertriebsmitarbeitern

Die Diskussion ist nicht, ob ein Shop heute mobil gut nutzbar sein muss.

Ganz klar, bei der Nutzung liegen mobile Endgeräte heute ganz deutlich vor Desktop-PCs. Die Frage ist eher: benötige ich eine native App "von der Stange" für meinen Shop? 

Unsere persönliche Meinung dazu: Nutzen Sie Shopgate nicht für Ihren Shopware-Shop, Hier wird zu wenig Leistung geboten bei zu hohen Kosten, es bestehen erhebliche technische Einschränkungen (beim Einsatz mit Shopware) und eine latente Gefahr eines „Vendor Lock-In“, also der Bindung an einen Anbieter ohne eine realistische Ausstiegs-Option.

Wir denken aber auch: mobile Apps sind sicherlich ein Stück Zukunft im mobilen eCommerce. Aber dann bitte gut gemachte Apps, die die Vorteile des jeweiligen Shopsystems mit den Vorzügen einer nativen App verbinden, einen echten Mehrwert (aus Nutzersicht!) bieten und Kunden so dann wirklich besser binden können.

Aber das ist keine Standard-Lösung, darüber muss gut nachgedacht werden.

(Im Sellerforum und anderen Netz-Fundorten kann sich jeder Shopgate-Interessent noch seine eigene Meinung bilden.)


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